

Über alles
Infos zum Artikel
„Durch die Wand" – nach dem Fall der Mauer kann man diesen Albumtitel kaum unschuldiger lesen. Und Rio Reiser meinte es genau so. Das Album erschien 1991, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, und ist seine Rückkehr zu hartem, direktem Rock.
Produziert von Udo Arndt (als Ablösung von Annette Humpe) klingt das Album rauer, kantiger, weniger auf Kommerz ausgerichtet. Der Song „Krieg" gilt als eines der stärksten Stücke seiner gesamten Solokarriere – kompromisslos in Text und Energie. „Jetzt schlägt's Dreizehn" ist trotziger Aufstand. Die Texte von Reiser sind von schonungsloser Direktheit durchzogen, abwechselnd zurückhaltend und explosiv.
Kommerziell blieb das Album hinter den Erwartungen zurück – Reisers politische Positionierungen (er trat später der PDS bei) und sein konsequentes Unbehagen an Kompromissen machten ihn zum Randphänomen des Mainstreams. Musikalisch jedoch wird Durch die Wand heute als eines seiner unterschätzten Meisterwerke eingestuft: ein Album voller echter Haltung.
Es klingt wie ein Künstler, der durch die Wand gegangen ist – und auf der anderen Seite immer noch er selbst ist.









